„Kunst hat viel mit Machen zu tun, sich von Zwängen und Ängsten befreien.“ – Interview mit dem Kunstpausen-Team

Im Gespräch plaudern Imke Perlick und Johanna Hausmann über ihr Schaffen in der Kunstpause beim Jugendmediencamp Nord-West.

Was wollt ihr den Teilnehmenden mit der Kunstpause bieten?

Imke: Johanna und ich ergänzen uns ganz gut in dem, was wir wollen. Ich bin auf jeden Fall interessiert daran, in diese Kunstpausen auch einen künstlerischen Part zu bekommen, sodass es über das Basteln und Ähnliches hinausgeht. Ein bisschen den Kopf öffnen, die Ideenwelten fließen lassen. Kunst hat viel mit Machen zu tun, sich von Zwängen und Ängsten befreien.

Johanna: Wir wollen das Material bieten und den Platz und die Zeit, verschiedene Sachen und Techniken auszuprobieren. Einfach mal Sachen ausprobieren, die man sonst nicht machen kann. Wann kann man sonst einfach ein Auto besprühen. Außerdem neue Möglichkeiten und Ideen geben.

Woher kommen die Materialien?

Johanna: Es hat sich über die Jahre total viel angesammelt, vielleicht kauft jeder jedes Jahr ein Bisschen und die Leute basteln zu wenig oder malen zu wenig und es kommt einfach richtig viel an Zeug zusammen.

Imke: Johanna hat am Anfang eine Liste gemacht von den Materialien, die vorhanden sind. Anhand der Liste haben wir uns überlegt: “Was wollen wir machen, was brauchen wir?” Dann haben wir uns ziemlich schnell geeinigt, dass wir die Taschen machen wollen. Außerdem hatten wir noch genügend Spraydosen für das Auto und die Graffitiwand. Dann haben wir noch einige Sachen nachgekauft, die alle geworden sind.

Gibt es eine lustige Story aus der Kunstpause?

Johanna: Imke hat am ersten Tag gleich ihre schönste Hose zerstört, weil wir nicht wussten, wie man die Kindersicherung entfernt und irgendwer meinte, das ginge ganz einfach: „Mit dem Stock oben rein“ Und dann “pssssst” und ihre ganze Hose war voll und wir mussten eigentlich nur diesen Ring wegnehmen.

Imke: Übereifer lässt manchmal auch lustige Dinge entstehen. Bei mir war es so, dass ich beim Mörderspiel umgebracht wurde, indem eine Teilnehmerin mir ihr Projekt erzählt hat, was sie machen möchte. Das fand ich ganz witzig.

Was ist das Abstrakteste, was hier bis jetzt gekünstelt wurde?

Johanna: Was ich echt cool fand: Gestern war hier jemand der hatte sein Biobuch mit und hat dann eine Abbildung auf sein T-Shirt gemalt, weil er so auf Bio steht. Das muss man sich erstmal trauen.
Imke: Das ist schwer. Wir hatten eine Teilnehmerin, die hat in der Schule eine Aufgabe zur Abstraktion. Dann haben wir erstmal über diesen Begriff gesprochen. Den muss man ja auch erstmal definieren. Abstraktion könnte einfach nur ein Pinselstrich sein. Oder was ich viel schöner finde und meiner Denkweise näherkommt: Wenn man von etwas abstrahiert. Vielleicht muss der Betrachter dann gar nicht mehr die Banane erkennen. Aber er erkennt, dass es etwas Natürliches ist.

Gibt es hier etwas, was häufig gemacht wird, ohne dass es zur Kunstpause gehört?

Johanna: Das können wahrscheinlich die Teilis am besten beantworten. Aber ich glaube, wir haben einfach das schönste Zelt und alle Leute mögen es hier und deswegen sitzen sie hier und quatschen.
Imke: Ich finde aber auch, dass das auch Kunst ist. Man kommt vorbei und man muss hier nicht herkommen und etwas produzieren. Man kann sich auch einfach inspirieren lassen. Ein Gedankenaustausch ist meiner Meinung nach wichtig. Dafür sind wir hier.

Was macht ihr, wenn die Teilis in ihren Workshops oder anderweitig beschäftigt sind?

Imke: Dann machen wir die unsichtbaren Aufgaben. Wir haben schon auch immer was zu tun, was dann ohne die Teilnehmer geschieht. Heute haben wir Hohes-C Flaschen ausgespült, weil wir da ein paar Ideen zum Basteln oder Werkeln haben. Wir bereiten entweder etwas vor oder wir räumen auf oder es gibt ja auch eine Menge an Aufgaben, die gemacht werden müssen – in der Küche helfen zum Beispiel. Wir helfen uns gegenseitig und liegen nicht nur faul rum.

Was gefällt euch an der Kunstpause am meisten?

Johanna: Also mein Lieblingsding ist es zu sehen, dass sich Leute hinsetzen, Ideen haben und voll coole Sachen produzieren. Zum Beispiel: Ein Mädchen hat einfach ein Nilpferd aus Speckstein geschnitzt und das sieht einfach extrem nach Nilpferd aus. Ich war voll geflasht, dass das so gut aussieht und dass sie das so gut hinbekommen hat. Das ist dann schon cool, dass Leute das annehmen und tolles Dinge machen.

Imke: Auch einfach, dass es hier so eine Eigenständigkeit gibt. Manche brauchen eine Anleitung, manche brauchen Ideen und manche machen einfach das, was sie wollen. Und hier herrscht einfach so eine schöne und entspannte Atmosphäre.

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