Was tun gegen die Mückenplage?

Der Sommer naht – und mit den Temperaturen steigt auch die Zahl der Mücken, die nun umso häufiger zustechen. Auch im Jugendmediencamp Nordwest fliegen ganze Schwärme herum und nerven Teamis, Teilis und Orgas. Warum sie überhaupt stechen, wissen viele Menschen allerdings nicht.

von Lina Schlüsche

 

Schon bevor ich das Zelt aufgebaut hatte, spürte ich die ersten Mückenstiche. Noch Stunden später sind einige von ihnen stark angeschwollen, andere sind gar nicht mehr zu sehen. Auch in den Workshopzelten sind die Insekten unterwegs. Doch warum stechen Mücken eigentlich? Und welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Ausbreitung der Mücken?

Was viele nicht wissen: Es stechen nicht alle Mücken. Männliche Mücken ernähren sich von Nektar. Die weiblichen benötigen das Blut, um Eier zu produzieren, genauer: Die Proteine und das Eisen, das im Blut enthalten ist. Dafür stechen sie besonders häufig BesitzerInnen der Blutgruppe 0. Menschen, bei denen sie die Blutgruppe nicht eindeutig identifizieren können, ignorieren sie. Denn wir senden ein Signal über unsere Haut, an dem Mücken erkennen, zu welcher Blutgruppe wir gehören. Außerdem werden sie auch von Schweiß und bestimmten Bakterien angezogen. Auch Schwangere werden besonders oft gestochen, da sie mehr Kohlendioxid ausatmen und Mücken dies riechen. Sie stechen nicht mit einem Stachel, wie Wespen, sondern mit einem Rüssel. Dann spritzen sie Speichel in die Hautöffnung, so betäuben sie uns und halten außerdem auch das Blut flüssig. Die Stiche von Mücken, die immer Menschen stechen, merken wir oft kaum. Einige Expert*innen sagen, dass wir dagegen Stiche von Mücken, die meist Tiere stechen, oft viel stärker merken, sie schwellen an oder jucken sehr stark. Es gibt auch Menschen, die allergisch auf Mücken reagieren.

Die Mücke ist für viele Menschen im Sommer ein Quälgeist, trägt aber auch zu einem funktionierenden Ökosystem bei.

Die Mückengattungen Aedes, Anopheles, Culex und Phlebotomus leben hier in Deutschland. Sie übertragen meist harmlose Krankheiten, aber auch einige, die zu einer Gehirnentzündung führen können, oder Malaria. Die Malaria-Erreger vermehren sich in den Anopheles-Mücken je nach Art ab 14 Grad Celsius oder 18 Grad Celsius. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Höhepunkt der Krankheitsfälle in Deutschland, dann gingen sie dank guter Diagnostik und Behandlung zurück. Doch Wissenschaftler*innen haben festgestellt, dass Mücken sich umso schneller vermehren, je wärmer es ist, und die Erreger ebenso. Deshalb breiten sich hier Mücken aus, die eigentlich in wärmeren Ländern und Regionen heimisch sind. Expert*innen sehen die Gefahr, dass sie aggressiver sind und gefährlichere Krankheiten wie Malaria oder das Dengue-Fieber übertragen.

Auch im Jugendmediencamp haben die Teilnehmenden mit Mücken zu kämpfen. „Es kann sein, dass die Mücken aggressiver geworden sind, aber trotzdem sind sie noch lange nicht so aggressiv wie im Ausland“, meint Megan. Sie habe Glück mit recht wenigen Stichen, kenne aber auch Leute, die komplett zerstochen seien. Leandra und Jule schlagen die Mücken immer tot, besonders abends, wenn es dämmert. Die Mücken seien aber nicht aggressiver geworden, finden Mona, Franka und Carlotta. „Eigentlich wünsche ich mir dann so einen Imkeranzug“, sagt Franka.

Aber ist es nun in Ordnung, Mücken zu töten? Expert*innen haben dazu verschiedene Meinungen. Mücken sind wichtig im Ökosystem, sie sind Nahrungsmittel für viele andere Tiere. Menschen, die oft von Mücken gestochen werden, haben übrigens ein stärkeres Immunsystem als andere. Aber da der Lebensraum der Mücken, zum Beispiel der Wald, zunehmend zerstört wird, werden sie ohnehin weniger. Auch Insektizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um Pflanzen vor Insekten zu schützen, vernichten Mücken. Wenn wir dann noch welche töten, würden sie sich möglicherweise nicht mehr gut vermehren. Andere Experten glauben, dass es auf eine Mücke mehr oder weniger auch nicht ankomme und es deshalb vertretbar sei, einzelne von ihnen zu erschlagen.

Jeder muss also für sich selbst entscheiden, ob er nervende Mücken am Leben lässt oder nicht. Für die einen sind sie schützenswerte Lebewesen, deren Lebensraum zerstört wird, für die anderen sind sie nur nervig – auf ein Tier mehr oder weniger kommt es für sie nicht an. Vielleicht kann man sich darauf einigen, Mücken mit Hausmitteln fernzuhalten. Es hilft, ätherische Öle wie Citronella zu verdampfen oder Kräuter auf die Fensterbank zu stellen. Auch das Räuchern getrockneter Salbeiblätter hilft. Alternativen sind Citronella-Kerzen oder Räucherstäbchen.

 

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