Jensationsbericht über die Nachhaltigkeit des JMC

Nachhaltigkeit – unter dem Motto fand in diesem Jahr das Jugendmediencamp Nordwest statt. Doch wird auf dem Camp nicht nur darüber geredet, sondern dies auch umgesetzt? Wie nachhaltig das JMC wirklich ist, hat sich Megan Schlicht einmal ganz genau angeschaut.

von Megan Schlicht

Blick zurück in das Jahr 2018: Verzweiflung in den Augen der Kioskkeeper. Das Orga-Team steht in schwarzen Abgaswolken. Berge von Plastikflaschen und Plastikmüll überrollen das Camp. Zweitausend 0,25-Liter-Flaschen und keiner weiß wohin damit.

Das traumatisierte Orga-Team beschloss daraufhin, den Kampf gegen das Plastik aufzunehmen. Es steckte seine Ziele sehr hoch und so findet das Jugendmediencamp dieses Jahr unter dem Motto der Nachhaltigkeit statt. 94 Menschen treffen sich also dieses Jahr auf dem kleinen Thomas-Morus Platz in der Nähe von Loxstedt bei Bremerhaven. Aber was hat sich verändert?

Blick in das Jahr 2019: Mit einem Block und einem Stift in der Hand mache ich mich auf den Weg, um ganz genau nachzuhaken, was das Orga-Team verändert hat.

Ich beginne am Loxstedter Bahnhof. Die Teilnehmer, liebevoll Teilis genannt, steigen aus der Regionalbahn und werden von zwei großen dunklen Wagen erwartet. In einem Gespräch mit Jonas Lerch, alias der meiste Fahrer, erfahre ich mehr über die Fahrzeugsituation. „In den letzten Jahren hatten wir unter anderem einen Jeep und einen Pick-Up. Das war aber nicht so optimal“, erklärt Jonas. „Denn der Kraftstoffverbrauch war sehr hoch.“

Die beiden jetzt genutzten Dieselfahrzeuge sind viel umweltschonender. Außerdem haben sie jeweils acht und neun Sitzplätze und befinden sich auf einem technisch modernen Stand. Im Gegensatz zu den Vorjahren achtet das Team auch darauf, Besorgungs- und Shuttletouren zusammenzulegen, um eigene Kraft-, Zeit- und Umweltressourcen zu schonen.

Als ich auf dem Camp ankomme, mache ich mich auf dem Weg zum Kioskstand. Dieser Ort ist bei allen Campbesuchern sehr beliebt, weil es hier Getränke und Süßigkeiten zu kaufen gibt. Ein*e anonyme*r Informant*in wendet sich mit Informationen vom Kioskstand an mich. Die Person berichtet mir ausführlich von allen nachhaltigen Maßnahmen, die durchgeführt wurden. Statt den oben erwähnten Plastikflaschen, verkauft der Kiosk dieses Jahr nur noch Glasflaschen. Und diese hat er sogar auf Kommission gekauft. Das bedeutet, falls die Campbesucher nicht genug trinken, gehen alle übrigen Flaschen zurück an den Verkäufer. Besonders begeistert war mein*e Informant*in von dem vielfältigen veganen Angebot und der nachhaltigen Erneuerung im Gummibärchenverkauf. So wurden nur große Gummibärchenbehälter gekauft. Diese verkaufen die Kioskkeeper in kleinen Papiertüten weiter. Zum Schluss erwähnte mein*e Informant*in noch, dass sie bis Ende des Camps nur zwei Säcke Müll produzieren würde.

Am Kioskstand fällt mir die bunte Deko auf. Mein*e Informant*in erklärt mir, dass diese von der Kunstpause – einem besonders nachhaltigen Projekt – angefertigt werden würden. Alle alten Dosen und Deckel und sonstige Müllreste verwendet die Kunstpause, um neue Kunstwerke für zum Beispiel den Kiosk zu erschaffen. In der Kunstpause landen alle übrigen Materialien, die aus den vergangenen Jahren übrig geblieben sind.

Als nächstes wende ich mich an Tim Blume, genannt End, und Tobias Wittkemper vom Technik-Team. Sie erzählen mir, dass sie schon bei der Vorbereitung darauf geachtet haben, Technik, Material und die Bühne aus dem Umkreis zu leihen und zu besorgen. Von ihnen erfahre ich auch, dass das Camp insgesamt etwa 125 Kilowatt Strom pro Stunde verbraucht. Das ist ungefähr so viel, wie eine Zweier-WG in einem Monat verbraucht. „Wir haben uns auch eigentlich nur auf das nötigste beschränkt“, sagt End – alles im Sinne der Nachhaltigkeit. „Und die Bühne ist kleiner geworden.“ Trotzdem strahlt die Open Stage und bringt die Zuschauer zum Staunen.

Dann ist der Vormittag auch schon vorbei und lockt alle fleißigen Camper unter den Carport. Dort warten schon die dampfenden Töpfe mit dem Essen. Vergeblich werden einige Teilis nach dem Fleisch suchen. Den Wurstteller gibt’s nur zum Frühstück und Abendessen. Stattdessen setzt das Küchenteam auf vegane Gerichte. Christian Oettel und Gesa Perlick, das Küchenteam, bekochen alle Campbesucher vegan, obwohl sie selber keine Veganer sind. „Wir konnten dieses Jahr auch alle tierischen Produkte durch den Biobeitrag finanzieren“, erzählt Christian stolz. Trotzdem produziert die Küche durchschnittlich einen gelben und einen normalen Sack Müll pro Tag. „Wir müssen ja auch die Hygieneverordnung beachten, aber da ist auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf“, sind sich beide einig.

Nach der Pause befrage ich Viktoria Willenborg und Jan-Tristan Kruse, die für die Projektleitung verantwortlich sind. „Uns lag das Thema Nachhaltigkeit total am Herzen und wir sind froh, dass wir das dieses Jahr auch so gut umsetzen konnten“, erzählen die beiden. Für das Camp hat das Orga-Team acht Mülltonnen angemietet, von denen nur fünf bis Ende des Camps gefüllt werden sein. Die Putzmittel, die das Team bereitstellt, sind ebenfalls aus den Vorjahren übrig oder werden in Großpackungen gekauft, um Plastikmüll zu sparen. „Wir haben 800 Brötchen und 15 Kilo Käse eingekauft. Für das Lagerfeuer verbrauchen wir etwa zwei Badewannen Holz“, zählt Jan auf. Auch bei den Orga-Vortreffen wurde auf Nachhaltigkeit geachtet. Es gab veganes Essen, eine Zugverbindung, um Autofahrten zu vermeiden und nur drei Flipchartpapiere wurden verbraucht – die Digitalisierung zeigt sich hier von ihrer besten Seite. „Wir haben insgesamt darauf geachtet, dass kaum Sachen übrig bleiben und waren in der Planung sehr genau“, erklärt Viktoria.

„Wir sind immer offen für Ideen oder Anregungen, vor allem von Seiten der Teilis. Aber ich glaube insgesamt haben wir es sehr gut hinbekommen“, fasst die Projektleitung zusammen. Nachdem ich eineinhalb Tage durch das Camp gestreift bin, kann ich dem nur zustimmen. Die Maßnahmen, die das Orga-Team für das Camp getroffen hat, sind sehr durchdacht und einfach klaase.

 

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